Die Kurzsichtigkeit unter Kindern und Kleinkindern wächst

27.09.2018 08:03

Ob in der Straßenbahn, im Flugzeug, bei Autofahrten oder in Cafés - sicherlich hat jeder bereits Kleinkinder mit digitalem Spielzeug oder Smartphones in der Hand gesehen. Kinder sind von Natur aus neugierig und erkunden ohne Scheu alles was neu ist, dazu gehören auch so verlockend blinkende Geräte wie Tablets, Smartphones und Co. 
Bisher war Elektronik in Kinderhänden nichts Außergewöhnliches, schließlich sind Handys zu groß, um sie zu verschlucken und verfügen auch über keine potenziell gefährlichen Kanten und Ecken. 

Doch nun belegen aktuelle Studien von internationalen Wissenschaftlern, dass der übermäßige Konsum von Elektronik bei kleinen Kindern zu nachhaltigen Schäden an den Augen, speziell dem Sehvermögen führen kann. 
In Deutschland ist die Anzahl der jungen Erwachsenen (genauer: Erwachsene unter 30 Jahren) die kurzsichtig sind, bereits auf einen neuen Höchstwert geklettert: Rund die Hälfte von ihnen braucht Brillen oder Kontaktlinsen im Alltag. Der Fachbegriff für Probleme mit dem Sehen in der Ferne ist übrigens "Myopie". 
Die Myopie dieser jungen Erwachsenen wird vor allem von deren individuellem Lebensstil bedingt, denn nicht angeborene Kurzsichtigkeit wird von anderen Faktoren ausgelöst. Dazu zählen vor allem: 

  • häufige Nutzung von Tablets oder Smartphones 
  • arbeiten auf kurze Distanz (am Computer-Bildschirm ohne ausreichenden Abstand) 
  • Fernsehschauen, wenn sich die Geräte nicht weit genug vom Sitzplatz weg befinden 

Wie beeinflussen elektronische Geräte unser Sehvermögen?

Durch den großen Einfluss elektronischer Geräte auf unser Leben, unsere Arbeit sowie unser Freizeitverhalten grassiert die Kurzsichtigkeit. Das ist nicht verwunderlich, denn bei dauerhafter Naharbeit an Computern und Laptops verkrampft sich ein Teil des Auges, der Ziliarmuskel. Das Auge stellt sich damit längerfristig auf die Betrachtung auf sehr kurze Distanz ein, zum Ausgleich bräuchte es nach der Arbeit eine Beschäftigung mit Fernsicht, damit der Muskel sich wieder entspannen kann. Das ist häufig nicht gegeben, da in der Freizeit viel Ferngesehen, gelesen oder auf dem Smartphone getippt wird, so entsteht eine dauerhafte Kurzsichtigkeit. 
 

Warum sind gerade kleinere Kinder betroffen?

Die Antwort liegt hier in der Dauer der Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. Viele Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren nutzen bereits regelmäßig diese Geräte, manche täglich. Dadurch wächst ihr Augapfel in die Länge, um die Bildschirme visuell besser verarbeiten zu können. Die Augen von Kindern unter drei Jahren zudem sind besonders empfindlich, sie stellen sich noch schneller auf Kurz- oder Weitsicht ein und brauchen daher ein gesundes Gleichgewicht zwischen Nah- und Fernbeschäftigungen. 
 

Welche anderen Erkrankungen können Kleinkinder durch starken digitalen Medienkonsum ausgesetzt sein?

Außer einer fortschreitenden Myopie, die sich im Laufe der Zeit noch verstärkt, trocknen die Augen stärker aus, was zu Juckreiz und Rötungen führt. Außerdem ermüden die Kinder schneller und können an Schlafstörungen leiden, da das intensive Blaulicht der Bildschirme die Ausschüttung von Hormonen zur Regulierung des Schlafs blockiert. Im Alter von 14 kann damit bereits eine starke Kurzsichtigkeit bestehen, die dauerhaft mit Brillen oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden muss. 
Im späteren Alter haben diese Kinder außerdem ein höheres Risiko an Grünem Star, Augeninnendruck oder Netzhautablösung zu leiden, das zeigen Untersuchungen mit älteren Myopie-Patienten. 
 

Ärztliche Empfehlungen für den Medienkonsum von Kindern

Laut vielen Kinderärzten sowie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die die wissenschaftliche Vereinigung deutscher Augenärzte darstellt, sollten Kindern unter drei Jahren überhaupt keine elektronischen Geräte nutzen. 
Im Alter von vier bis sechs ist eine halbe Stunde pro Tag die maximale Empfehlung, bei Grundschülern bis 10 Jahren eine Stunde. Eine Kindersicherung, die manuell einstellbar ist, hilft bei Einhaltung dieser Zeiten. 
Eltern wird zudem empfohlen, als Ausgleich mit den Kindern öfter spazieren zu gehen oder sie zum Spielen ins Freie zu schicken, damit sie eine gesunde Balance zu den Medien finden.