Die neuen Silikonhydrogelen - Eine neue Welt der Kontaktlinsen?

17.12.2018 14:43

Wer sich mit Kontaktlinsen auskennt, sei es als Träger, Händler oder Augenarzt, für den sind Silikonhydrogele schon seit dem Jahr 1999 keine Neuheit mehr. Mit Pauken und Trompeten wurde damals die Revolution der Kontaktlinsen eingeführt und man war sich sicher, das ist das Tor zu einer neuen Welt des Sehens mithilfe von Linsen. Sehbeinträchtigte Menschen weltweit würden die Vorteile erkennen und spüren, der Anteil der Linsenträger würde rapide ansteigen. Schaut man sich die nackten Zahlen an, zeigen diese aber ein anderes Bild. Lediglich knappe 6 Prozent der sehbeinträchtigten Bevölkerung trägt Kontaktlinsen, eine Rate, die den Markt auch heute noch hart umkämpft sein lässt. In der Tat nehmen die Silikonhydrogele weltweit zwar zwei Drittel des Marktes für sich ein, sind also innerhalb des Kreises der Linsenträger wirklich die großen Favoriten, Neueinsteiger können aber auch sie nicht für sich gewinnen. Auch die sogenannten „Dropouts“, also Menschen, die Kontaktlinsen ausprobieren, dann aber schnell wieder zu ihrer gewohnten Brille greifen, konnten die Silikongemisch-Linsen nicht für sich gewinnen. Die enorm hohe Sauerstoffdurchlässigkeit, die typisch für Silikonhydrogele ist, konnte offenbar nicht die Nachteile der eigenen Technologie ausgleichen. Der Silikonanteil in der Linse führt zu einer höheren Steifigkeit, in der Fachsprache Modulus genannt; außerdem ist die Benetzung der Linse nicht so leicht gewährleistet wie bei anderen Materialien. War man es von den Hydrogel-Linsen gewohnt, dass das Material weich und flexibel war, so musste man sich durch den höheren Silikonanteil nun auch mit steiferen Linsen anfreunden. Gegen die schwierigere Benetzung der Linsen ließen sich die Hersteller veränderte Blisterlösungen einfallen. All-in-One-Solutions mit integrierten Benetzern, die hauptsächlich Hyaluron enthielten, überschwemmten regelrecht den Markt. Diese erfüllten dann auch wirklich ihren Zweck und sorgten für eine bessere Benetzung, wodurch sich ein höherer Tragekomfort ergab. So effektiv diese Wege aber auch waren, eine generelle Lösung musste gefunden werden. Diese ist nun da! 


Was können die Neuen besser als die Alten? 
Fast 20 Jahre Weiterentwicklung steckt in dieser neuen Generation von Linsen. Die Kinderkrankheiten wurden behoben, eine neuartige Herstellungs-Technologie entwickelt. Das sogenannte "Cast Moulding" ist in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase liegt der Fokus auf der Auswahl der Silikonmoleküle und deren Polymerisation. Nicht mehr die kurzkettigen Silikonmoleküle von früher werden verwendet, die zwar eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit aufweisen, dies aber auf Kosten der Flexibilität. Die Linsen waren steifer. Heute werden nun vermehrt langkettige Silikonmoleküle eingesetzt, wodurch eine größere Elastizität des Materials gewährleistet wird. Die zweite Phase des Cast Mouldings legt den Fokus auf die optimale Verbindung der Materialien. Das Polymer Polyvinylporrolidone (PVP) vereinigt sich mit der Silikonmatrix. Das erwähnte Polymer besitzt benetzende und wasserspeichernde Eigenschaften, weswegen es beispielsweise oft in Augentropfen und Salben vorzufinden ist. 


Die Wirksamkeit dieses Verfahrens belegt eine Studie, bei der 30 Tage lang Ablagerungen auf der Linsenoberfläche untersucht wurden. Das Ergebnis war bahnbrechend: Fantastische 92,6 Prozent der Kontaktlinsen wiesen kaum oder überhaupt keine Ablagerungen auf. Dieses Problem gehört also tatsächlich der alten Generation an. 
Eine weitere Verbesserung erzielte man im Bereich der Randgestaltung der Linsen. Dadurch, dass die Mitte dünner gefertigt wurde, verlor der Rand der Linse an Steifigkeit. Auch hier lässt sich eine enorme Steigerung des Tragekomforts verzeichnen. 
Die gewonnene Erfahrung und umgesetzten Erkenntnisse lassen die neuen Silikonhydrogelen wirklich zu einer wegweisenden Linse werden. Konsumentenstimmen und Absatzzahlen aus den USA, wo die Linse bereits seit 2016 auf dem Markt ist, lassen annehmen, dass der Siegeszug auch in Europa weitergehen könnte. In jedem Fall lohnt es sich, diese Entwicklung, wortwörtlich im Auge zu behalten.