Hilfe bei grünem Star

07.01.2019 08:24
Die Kurz- oder Weitsichtigkeit mit fortschreitendem Alter, das Nachlassen der Sehkraft, das alles gilt als fast normal. Wer bis zur Rente keine Brille braucht, vergisst später auch mal auf die Vorsorgeuntersuchung. Mit fatalen Folgen. Der grüne Star, Glaukom genannt, ist eine mögliche Augenerkrankung, die mit zunehmender Schädigung des Sehnervs zur völligen Erblindung führt. Wenn sich die Farbwahrnehmung ändert oder beim Sehen neblige Schleier auftauchen, sollte der Gang zum Augenarzt nicht länger hinausgeschoben werden. 

Das Glaukom – so schränkt es die Augen ein 

Ein gesunder Mensch verfügt über einen Sehwinkel von 180°, einen Halbkreis also. Eine Gesichtsfeldeinschränkung lässt sich erkennen, wenn ganz plötzlich 

- Objekte oder Menschen im Weg stehen, sich 
- Unfälle und Stürze häufen, 
- die Berechnung nach oben schwindet, die 
- Fahrtüchtigkeit nachlässt, beim 
- Lesen Zeilenanfänge oder -enden verschwinden, Bildränder unscharf erscheinen. 
Egal ob rechts, links oder beidseitig. 

Das Glaukom – welche Untersuchungen macht der Arzt? 

Um den grünen Star zuverlässig ausschließen zu können, reicht die Messung des Augeninnendrucks nicht aus. Vielmehr ist eine Ausschlussuntersuchung sinnvoll, die, völlig schmerzfrei, in einer halben Stunde erledigt ist. Dabei bedient sich der Facharzt folgender Methoden: 

- OCT (optische Kohärenztomografie): Bei diesem bildgebenden Verfahren wird die Stärke des Sehnervs gemessen und dadurch seine Schädigung erkannt. 
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Einfachstes Mittel ist die Fingerperimetrie. Der Arzt prüft durch Schwenken seiner Hand, wo die optische Wahrnehmung des Patienten aufhört. Bei der Untersuchung mit dem Perimetrieapparat hingegen liegt der Kopf auf einer Kinn- und Stirnstütze. Der Untersuchte meldet sich, wenn er die Lichtpunkte im Gerät erkennen kann. 

Was bedeutet die Diagnose Glaukom? 

Unser Auge bildet in der mittleren Augenhaut Kammerwasser (Humor aquosus), das regelmäßig an die hintere Augenkammer weitergegeben wird. Dort versorgt es die nicht durchbluteten Augenteile. Dazu zählen Linse und Hornhaut. Es stellt Nährstoffe zur Verfügung und hält den Augapfel in seiner Form. Über den Schlemmkanal, ein ringförmiges Sammelorgan, fließt es wieder ab. Seine Hauptbestandteile sind Eiweiß, Zucker, Ascorbin-, Hyaluronsäure und Elektrolyte. Verursacht durch genetische Veranlagung, lange Fehlsichtigkeit, tiefen Blutdruck, Diabetes oder Alter, kann es zur Einengung des Abflusses kommen. Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck (Tensio), was zwar lange unbemerkt bleibt, im Laufe der Zeit aber den Sehnerv zerstört. 

Wie wird ein zu hoher Augeninnendruck behandelt? 

Je nach Schwere der Symptome hat der behandelnde Arzt mehrere Möglichkeiten, um das Voranschreiten des grünen Stars zu verhindern. In der Anfangsphase genügt zumeist die Verwendung rezeptpflichtiger Augentropfen, die die Durchblutung im Innenauge steigern. Wenn dadurch der Augeninnendruck nicht geringer wird, können die Abflusswege durch eine Laserbehandlung oder durch eine Kanaloplastik erweitert werden. Beides sind minimalinvasive, ambulante Eingriffe, die dabei helfen, langfristig die Restsehfunktion zu erhalten. 

Was wird bei der Kanaloplastikoperation gemacht? 

Erste Erfolge dieser, noch jungen Methode, stammen aus den 2010er Jahren. Entwickelt hat sie sich aus den mikrochirurgischen Eingriffen im Herz- und Gefäßbereich. Davor war das Verfahren der Trabekulektomie üblich. Dabei wird, während einer Operation, eine künstliche Ableitungsöffnung geschaffen. Mit mäßigem Erfolg. Die Augenflüssigkeit entleert sich dadurch stoßweise. Blutungen, Entzündungen oder Bindehautfisteln können entstehen. Die Kanaloplastikmethode arbeitet mit einem mechanischen Trick. Im Rahmen eines ambulanten Eingriffs wird der Abflusskanal des Auges, Schlemmkanal genannt, freigelegt. Ein Mikrokatheter dehnt ihn auf und führt zwei Fäden ein. Nach dem Verknoten und durch das Spannen der Miniseile bleibt er dauerhaft offen. Kammerwasser fließt kontinuierlich ab, der Innendruck sinkt, Augentropfen werden überflüssig.